00:10
Herzlich willkommen zum SF-Krimi-Podcast. Mein Name ist Wolfram Höll und bei mir ist eine Frau, die ich jetzt wirklich einfach beschreiben muss, so wie sie mir heute gegenübersteht. Sie hat ein hellblaues Top an, mit langen Ärmeln, das aber gleichzeitig die Schultern frei lässt und bauchfrei ist. Ich eine lange, weite Jeanshose an, darunter wieder hellblaue Plateaushohe. Sie hat sich den Lidschatten glitzernd hellblau geschminkt und die Haare, ja, wie so zwei kleine Zöpfchen oben auf dem Kopf zusammengebunden, wie so Öhrchen eigentlich, fast schon wie aus Sailor Moon aus den 90er Jahren.
00:53
Susanne Jansson.
00:54
Hallo Wolfram, du hast aber nun die Details ausgelassen, auf die ich besonders Wert gelegt habe, nämlich meine rot und blau gefärbten Augenbrauen, das Bauchnabelpiercing und meine Jeans trage ich natürlich verkehrt rum, weil ich bin großer Fan von Criss Cross. Kannst du dich an die erinnern? Das war eine Boyband und ihr Markenzeichen war, dass sie ihre Baggypants verkehrt rum getragen haben. Das heißt, die Hinterseite vorne.
01:17
Hat sich als Modeding nicht so durchgesetzt. Aber hey, ich habe ja jetzt noch mal eine Chance.
01:22
Genau.
01:23
Ja, so stehe ich natürlich nicht vor dir. Ihr konntet es alle schon wissen. Aber du hast ja gerne einen blinden Fleck da, wo ich eigentlich sein sollte.
01:32
Genau. Wir sind mitten in den 90er Jahren. 1995 ist das Jahr. Und das ist auch das Jahr, aus dem du uns ein Hörspiel mitgebracht hast. Endlich ein 90er Jahre Hörspiel im Krimi-Podcast.
01:44
Indem aber jetzt die 90er, die du gerade beschrieben hast, ja jetzt nicht aus jeder Pore hervorquellen, oder?
01:50
Das muss man schon sagen, das kommt nicht. Es ist eigentlich sehr häuslich, was wir da haben. Es gibt keinen Rave, es gibt keinen Eurodance. Es ist einfach erstmal ein Paar, das zusammen ist. Aber wo es für mich dann doch sehr die 90er Jahre spiegelt, ist nämlich, dass da nicht nur zwei Menschen sind in dieser Wohnung, sondern ein Heimcomputer, ein Personalcomputer. Also wirklich der PC. Ja.
02:11
den es schon auf der Arbeit gibt und vor allem dann auch in die Haushalte Einzug hält bei den Enthusiastinnen und Enthusiasten und ganz viele Möglichkeiten bietet, ob nun in MS-DOS oder auf Windows auf einmal Daten zu verarbeiten, in diesem Hörspiel sogar Daten über Menschen.
02:29
Genau, es ist eben jetzt schon 30 Jahre alt. Das heißt, Computer dort bedeutet nochmal eine andere Vorstellung als heute. Mal schauen, wie viele von euch noch schmunzeln oder nur müde mit der Achsel zucken. Aber das Grundsetting, finde ich, überträgt sich ein Mann, in dem Falle ein Technik-Nerd, holt aus dem Computer etwas heraus, was noch niemand vorher kannte. Und damit haben wir doch einen super Faktor für eine Krimi-Geschichte schon mal mitgeliefert.
02:56
Total. Ich glaube, das ist wirklich eine ganz spannende Frage. Eben schmunzelt man da Achselzucken oder denkt sogar, ui, was wurde da vorausgesehen? Viele schwierige Entwicklungen, die er heute in dem Hörspital bekommt oder gefährliche oder welche, die Sorgen bereiten können, die sind eben auch ein Stück weit Alltag geworden. Aber da reden wir nachher drüber.
03:14
Gerne.
03:15
Jetzt gibt es erstmal die Computerblüten von Gerhard Bingeli. Viel Vergnügen. Viel Spaß.
03:54
Ihr Dank auf dein Wohl, Henry. Und herzlichen Dank für den schönen Abend. Ich weiß ja, dass du ein hervorragender Koch bist. Aber heute hast du dich selbst übertroffen mit diesem Schuh.
04:05
Schurrasco Brasileiro. Ich kenne ganz einfach deine Schwäche für alles Brasilianische, aber danke für die Blumen. Du willst doch nicht schon gehen. Bleib über Nacht.
04:15
Ein andermal. Für heute gehe ich lieber nach Hause. Es ist schon spät.
04:18
Bleib wenigstens bis zwölf. Vor Mitternacht gehst du eh nicht ins Bett.
04:22
Hm?
04:26
Ich trinke auf dein Wohl, Sylvia. Cheers.
04:36
Eigentlich weiß ich herzlich wenig von dir.
04:40
Dabei sind wir ja nun doch schon einige Zeit zusammen, wenn man das so nennen kann. Du in deiner Feudalwohnung, ich in meiner Frauenklausel.
04:48
Und es ist uns wohl dabei. Wir lieben doch unsere Unabhängigkeit. Möchtest du etwa zu mir ziehen oder geheiraten?
04:57
Gehst du in den Krieg, so bitte. Einmal gehst du zur See, zweimal in die Ehe, dreimal, sagt ein russisches Sprichwort. Nein, nein, daran denke ich nicht.
05:08
Aber manchmal möchte ich dich doch besser kennen. Ich weiß nur gerade, dass du Personalchef bist in diesem Lebensmittelgiganten-Fast-Pick. Aber ich weiß wenig über deine Gewohnheiten, über deine Tugenden, Laster, Hobbys.
05:22
Du kennst immerhin meine Computergrafik und ich weiß eine ganze Menge von dir. Silvia Salz, Art-Direktrice im Verlagsunternehmen, Top-Graphics-Kunstliebhaberin, Keramik-Malerin.
05:33
Mmh!
05:35
Da hätte ich beinahe was vergessen. Ich habe dir meine neuen Keramikbilder mitgebracht. Ruhst du bitte den Koffer in der Garderobe?
05:41
Ja, gut. Das ist aber schwer. Das müssen ja gewichtige Kunstwerke sein. Darf ich reinschauen?
05:55
Nein. Aber ich lasse dir meine gewichtigen Kunstwerke da. Du darfst in Ruhe eins auswählen. Aber komm doch mal her.
06:09
Du hast ein unwahrscheinliches Talent, allen Fragen nach deiner Persönlichkeit auszuweichen. Denn bei dir, bei deinen Eigenschaften und deinen Hobbys waren wir vorhin.
06:20
Meine Hobbys kennst du. Psychologie und Informatik. Seele und Computer.
06:26
Ja, ja, die Namen kenne ich deiner Liebhabereien. Die Etiketten. Aber von den Inhalten weiß ich überhaupt nichts. Ich meine, wie bringst du das zusammen? Seele und Rechenmaschine, Psyche und Computer.
06:37
Willst du es wirklich wissen? Und hast du Zeit?
06:41
Ja, bitte, wenn nicht gerade ein Wochenseminar draus wird. Kannst du es in ein paar Sätzen sagen?
06:47
Ich will es versuchen. Wo fange ich an?
06:55
Kannst du dir unter dem Wort Psychometrie etwas vorstellen?
07:01
Nein.
07:03
Ich habe einmal etwas von Ökonometrie gehört. Aber Psychometrie? Wenn du weißt, was Ökonometrie ist, dann kann ich dir die Psychometrie leicht erklären.
07:11
Die Ökonometrie, das ist doch der wissenschaftliche Versuch, die Wirtschaft mit mathematisch-statistischen Methoden zu erklären.
07:18
Ein Unsinn. Sag das nicht. Alles, was man messen kann, quantifizieren kann, lässt sich systematisieren, lässt sich in mathematische Gleichungssysteme fassen. Das kann man im ganzen Bereich der exakten Wissenschaften tun, aber auch mit der weniger exakten Wirtschaft. Und man kann, wenn man kann, dasselbe mit dem Menschen tun.
07:36
Das ist absurd. Etwas so Komplexes, Differenziertes, Subtiles, Einmaliges wie die Persönlichkeit eines Menschen lässt sich doch nicht in Formeln ausdrücken, in ein Modell fassen. Das sind kopflastige männliche Hirngespinste.
07:52
Ich halte mich an meine Intuition, wenn ich Menschen begegne. Und nicht an irgendwelche abstrusen Computermeldungen.
07:58
Weibliche Intuition kontra männlichen Intellekt.
08:00
Genau, womit das Klischee wieder einmal bestätigt wäre.
08:03
Du würdest staunen, was so ein Computer zu leisten vermag. Das Quantifizieren menschlicher Eigenschaften, das Messen, ist nur die eine Seite des Problems. Das Verarbeiten der vielfältigen Daten ist ein anderes. Und da hilft mir der Computer.
08:16
Gib mir ein konkretes Beispiel.
08:18
Ich habe unzählige Beispiele. Aber...
08:23
Was ich dir jetzt anvertraue, ist streng geheim. Denn hier geht es, wenn du es schon konkret haben willst, um sehr persönliches Datenschutz.
08:33
Ich verstehe nicht.
08:34
Du weißt, ich bin Personalchef. Ich verfüge daher über sämtliche Personaldaten unserer Belegschaft und das sind immerhin rund 1500 Leute. Die Personaldaten habe ich auf dem Computer der Firma.
08:48
Aber ich habe mehr als das. Mein PC hier in meiner Wohnung ist mit dem Firmencomputer vernetzt. Und dieser PC weiß mehr.
08:59
Mehr worüber?
09:02
Auf dem Firmencomputer habe ich nur die Daten, die aufgrund der Bewerbungen sozusagen offiziell mit dem Einverständnis der Betroffenen gespeichert sind. Hier auf meinem PC habe ich zusätzlich alle Daten, die ich im Laufe der Jahre aufgrund von Begegnungen, Besprechungen, Qualifikationsgesprächen, Schriftstücken, Führungsberichten und so weiter zusammengetragen habe. Mein Hobby.
09:26
Das ist furchtbar. Du spionierst das Privatleben der Leute. Doch, nicht doch.
09:32
Das sind zum Beispiel die graphologischen Gutachten. Für Kaderleute werden diese offiziell angefertigt. Für untere Positionen habe ich mir im Laufe der Jahre eigene Gutachten gemacht. Durchaus legal. Mit dem mir zugänglichen Material. Du weißt ja, ich bin Amateur-Graphologe.
09:49
Unglaublich.
09:51
Willst du mehr wissen? Für die Persönlichkeitsbeurteilung eines Menschen gibt es verschiedene Typologien. Zum Beispiel die Konstitutionstypologie. Die was? Vielleicht hast du schon gehört vom athletischen Typ, vom Leptosomen, vom Pygniker. Alles in meinem Computer drin. Ich bin sprachlos. Das ist noch lange nicht alles. Du weißt, jeder Mensch hat ein bestimmtes Temperament.
10:13
Es gibt eine Temperamentstypologie, die auf die Lehren des alten Hippokrates zurückgeht. Bestimmt hast du schon vom Melancholiker gehört.
10:20
Ja, und vom Choleriker, vom Phlegmatiker und vom Sanguiniker. Und vom Sanguiniker. Natürlich.
10:25
Ich habe von allen unseren Mitarbeitern eine Temperamentsanalyse gemacht. Alles in meinem Computer drin. Das gibt's doch nicht. Doch, doch, doch. Und mehr als das. Es gibt ja auch eine Funktionstypologie, eine Integrationstypologie. Und dann natürlich die Physionomik, die Analyse der Kopfformen und Gesichtszüge.
10:43
Alles in meinem Computer drin. Mein Gott.
10:46
Was kommt aus dem Spiel? Vielleicht hat er ja den Menschen geschaffen, wie die einen glauben. Vielleicht ist der Mensch aber nichts anderes als das Ergebnis einer langen Evolution. Wie immer die Spezies Mensch entstanden sein mag, ich interessiere mich für das, was er ist. Heute.
11:01
Und ich analysiere ihn, ich durchleuchte mit ausgefeilten Methoden seine Persönlichkeit. Ich baue für jedes Individuum ein perfektes psychometrisches Struktogramm, aus dem man so interessante Dinge wie zum Beispiel Intelligenz, Triebstruktur, Extra- und Introvertiertheit, Aggressionspotenzial, Libido und vieles mehr herauslesen kann. Nicht in irgendwelchen verschwommenen Worthülsen, sondern in Referenzzahlen, mathematisch genau.
11:28
Du bist verrückt. Ich verlasse mich immer noch auf mein Gefühl, meine Intuition, wenn ich mit Menschen zu tun habe.
11:32
Intuition, auch so ein verschwommener Begriff.
11:35
Der sehr viel mit Erfahrung und Menschenkenntnis zu tun hat.
11:38
Aber mein Computer beherrscht mehr als die mathematisch genaue Persönlichkeitsanalyse. Ach ja? Ja.
11:46
Ich kann die psychometrischen Daten aller gespeicherten Personen miteinander verknüpfen. Kann aufzeigen, wo Anziehung, wo Ablehnung spielt. Sympathie und Antipathie. Und das hat durchaus einen praktischen Wert. Zum Beispiel etwa, wenn ich Leute auslese für eine Projektgruppe, ein Forschungsteam oder Arbeitsequipen in der Produktion, im Lager, in der Spedition. Das ist interessant für die Firma und für die Leute, die in ihr arbeiten.
12:12
Du bist verrückt!
12:15
Ich kann sogar sehr Persönliches abrufen. Erotisches etwa. Vom flüchtigen Flirt bis zur ernsthaften Bindung.
12:21
Das ist unanständig. Das ist übler Voyeurismus. Du bist verrückt.
12:28
Da ist die Geschichte vom schönen Max und der übelhübschen Marliese. Nehmen wir zuerst die Daten von Max.
12:36
Das banale Vorabgeburtsdatum, besuchte Schulen, berufliche Laufbahn, alles Zeug. Also ich weiß nicht. Hier schon interessanter. Körperbau, hochgewachsen, feingliedrig und doch kräftig. Konstitutionstypologisch, zwischen Leptosomen und athletisch. Die Referenzzahlen will ich dir nicht erklären. Eine Mannequin, eine Dressman-Figur dazu. Edle Kopfform, physionomisch bemerkenswert. Extravertiert, kontaktfreudig.
13:06
Hohes Libidopotential. Die Parameterzahlen sagen dir nichts.
13:10
Schade, dass du kein Foto von ihm hast.
13:13
Und dann etwas Herausragendes. Das für die Story mit Marliese sehr wichtig ist. Ein eher atypisches Merkmal in seinem Psychostruktogramm. Ein sehr ausgeprägtes Geborgenheitsbedürfnis. Auf meiner Skala mit dem Maximalwert registriert.
13:28
Und was soll das?
13:30
Ja, Max war nun... Die Frauen flogen auf ihn, wie es so schön heißt. Und Max war unbekümmert und forsch genug, seine Libido voll auszuleben. Der Don Juan der Firma.
13:44
Und was macht er jetzt? Was hat die hässliche Malise damit zu tun? Die Übelhübsche, wie du sagst.
13:51
Lass mich raten. Also, ich denke, Malise, eher plumper Körperbau, kleingewachsen, pügnisch, unvorteilhaftes Gesicht, Intelligenzquotient eher unter dem... Nein, warte. Du bist nicht schlecht. Ich will mir die Geschichte selbst zusammenreinen.
14:08
Bitte.
14:10
Malise ist von der Natur nicht eben verwöhnt worden. Aber sie hat ein herausragendes Merkmal, ein außergewöhnliches affektives Potenzial, um in deinem Psycho-Jargon zu reden. Sie hat Mütterlichkeit und der schöne Max mit seinem herausragenden Geborgenheitsbedürfnis hat all die Schönen in der Firma stehen lassen und die übel-hübsche Malise geheiratet. Und wenn sie nicht gestorben sind, so leben sie noch heute.
14:36
Lach nicht, schau es dir auf dem Bildschirm an.
14:39
Im Wesentlichen hast du es getroffen.
14:42
Na siehst du, meine Intuition. Prost.
14:45
Nein, nein, das hat nichts zu tun mit Intuition. Prost. Die Vorgaben über den schönen Max habe ich dir gegeben. Du hast bloß logisch daraus gefolgert. Intuitiv hättest du die beiden nie zusammengebracht. Ich aber und mein Computer, wir haben diese Heirat vorausgesehen, vorausberechnet. Triumph meiner Psychometrie.
15:06
Ich finde das widerlich und bleibe bei meiner Intuition. Zudem ist Mitternacht, ich möchte nach Hause. Stellst du bitte das Radio an? Hoffentlich habe ich die Wettervorhersage nicht schon wieder verpasst.
15:16
Guten Abend. Bei wechselnder, zum Teil starker Bewölkung, zeitweise sonnig. Am Nachmittag einige Regenschauer. Temperaturen nachts um 14 und tagsüber um 20 Grad.
15:31
Hört in dieser Regen nie auf. Seit Wochen. Ich habe mindestens schon fünf Regenschirme verloren. Es ist unglaublich. Ich bin 30 Jahre alt. Signalement 1,88 Meter groß, kräftige Statur, rundes, flaches Gesicht. Wilhelm Kammermann trägt vermutlich einen roten Trainingsanzug. Der Vermisste ist Betriebsmechaniker im Lager der Fastpick AG.
15:57
Sein Verschwinden steht möglicherweise im Zusammenhang mit dem seit einer Woche ebenfalls vermissten Heinz Krüger, auch er Angestellte der Firma Fastpeak. Hier noch einmal das Signalement von Heinz Krüger, 33 Jahre alt. 1,68 Meter groß, schlank, blonde Haare. Heinz Krüger hat eine randlose Brille und trägt vermutlich hellbeige Hosen, ein dunkelrotes Jackett, schwarzes Hemd ohne Krawatte.
16:28
Sachdienliche Hinweise zu den beiden Vermissten, Wilhelm Kammermann und Heinz Krüger nimmt jede... Davon hast du mir nichts gesagt.
16:36
Wovon denn?
16:37
Von den beiden Vermissten.
16:39
Von Kammermann höre ich auch erst jetzt.
16:41
Und von Krüger?
16:42
Ja, das habe ich natürlich schon gewusst. Den suchen wir seit einer Woche.
16:46
Wer wir?
16:47
Nur wir in der Firma. Und dann natürlich die Polizei.
16:51
War die Polizei auch bei dir?
16:53
Sicher doch. Polizeiroutine. Vorgesetzte Mitarbeiter, Kollegen befragen. Bei mir war ein Kommissar, wie heißt der gleich? Fechter, genau. Kommissar Fechter. Und was hast du ihm gesagt?
17:05
Ich habe ihm die Personaldaten des verschwundenen Heinz Trüger gegeben. Weshalb interessiert dich das?
17:09
Welche Daten?
17:10
Was, welche Daten?
17:12
Jene im Firmencomputer oder auch die in deinem PC?
17:15
Natürlich nur die Firmendaten.
17:17
Aber warum denn? Wenn dein System so unfehlbar ist, wären doch gerade deine privaten Daten für die Suche sehr wertvoll.
17:24
Ich denke nicht daran, diese Daten herauszugeben. Das ist mir zu riskant. Zudem soll die Polizei ihren Kram selber machen. Das ist nicht mein Job.
17:32
Aber du könntest doch wirksam helfen. Wenn deine Psychometrie funktioniert, kannst du ja nur die Daten des seit einer Woche verschwundenen Krüger mit den Daten des seit heute vermissten Kammermann verknüpfen und dein Computer löst den Fall. Spiel es.
17:45
Ich denke nicht daran. Geh du doch mit deiner Intuition zur Polizei. Deiner Meinung nach ist das ja zuverlässig. Lass das.
17:53
Du hast exakte Daten über die beiden und damit perfekte Möglichkeiten, den Fall zu klären. Vielleicht sogar ein Verbrechen aufzuklären. Und du willst nicht.
18:03
Lass mich doch mal auf deinem Computer nachsehen.
18:06
Ich bin überzeugt, dass du... Hinde weg davon! Ich will nicht, dass du auf dem... Was ist denn das jetzt schon wieder in dieser Zeit? Ja, hier, Heller. Guten Abend, Herr Kommissar. Moment. Herr Kommissar, du kannst mithören.
18:23
Ja, so, hier bin ich wieder.
18:24
Ja, es tut mir leid, dass ich so spät noch störe.
18:28
Aber in der Sache Krüge hat sich etwas Neues ergeben, das keinen Aufschub deutet.
18:32
Ja, ich habe soeben am Radio gehört, dass auch Kammermann verschwunden ist. Das ist ja eine seltsame Sache.
18:38
Ja, da sind noch andere Dinge. Aber ich möchte das lieber nicht am Telefon. Ich kann nicht kurz bei Ihnen vorbeikommen.
18:45
Selbstverständlich. Sie wissen, wo ich wohne.
18:47
Ich bin in einer Minute bei Ihnen.
18:51
Ein paar ist es drin. Und, willst du ihm deine Computerdaten wirklich nicht geben?
18:55
Nein.
18:55
Ich verstehe das nicht. So zeig doch mir wenigstens, welche Informationen dein gescheiter PC-Freund da gespeichert hat.
19:01
Nein. Nein.
19:05
Ich will das Wesentliche sagen. Natürlich habe ich mein System auf Krüger angesetzt und natürlich auch spannende Bezüge zwischen ihm und Kammermann festgestellt.
19:14
Haben die beiden etwa auch, was niemand vermutet hätte, ihre Liebe zueinander entdeckt?
19:19
Was? Also auffällig im Lebenslauf der beiden, ich habe das aus ihren Bewerbungen, ist die Tatsache, dass vier Jahre fehlen. Das heißt, für diese Zeit haben sie keinen Stellennachweis.
19:31
Kammermann sagt, er wäre in dieser Zeit in Australien gewesen und Krüger in Kanada. Solche Auslandsaufenthalte können, nun ja, elegante Ausflüchte sein, um gewisse vielleicht unliebsame Lebensabschnitte zu tarnen. Zum Beispiel Jahre im Gefängnis. Weiß das die Polizei? Vielleicht noch nicht, aber sie wird es herausfinden. Was sagt dein Computer noch? Nichts von Belang. Und was ist mit deinen famosen psychometrischen Struktogrammen der beiden? Ich sagte doch nichts von Belang. Warum interessiert dich das? Du verschweigst mir was.
20:01
Sag dir das deine Intuition. Ah, der Kommissar.
20:10
Es ging aber schnell. Also, wie heißt der Mann? Komm her. Ach, den weiß ich nicht mehr. Doch, doch. Windhelm.
20:17
Ja. Ja.
20:21
Darf ich vorstellen, Kommissar Fechter? Und das ist meine Freundin Frau Salz. Freut mich.
20:27
Guten Abend, Herr Fechter.
20:28
Möchten Sie was trinken? Kaffee, Bier, Whisky?
20:31
Ja doch, gerne, ein Whisky. Im Dienst? Um diese Zeit immer.
20:39
Ja, also. Ich trinke auf Ihr Wohl, Herr Heller.
20:44
Prost. Gesundheit. Zum Wohl.
20:47
Und nun zur Sache. Was führt Sie zu dieser nachtschlafenden Stunde zu mir?
20:52
Ja, entschuldigen Sie den späten Überfall. Aber Sie werden die Eile schon noch verstehen. Also, Sie kannten Heinz Krüger? Wieso sagen Sie kannten? Wir müssen annehmen, dass Krüger das Opfer wurde eines... Noch kennen wir die Umstelle nicht.
21:09
Aber noch einmal mal eine Frage. Sie kannten Heinz Krüger? Oder vielmehr, wie gut kannten Sie Heinz Krüger?
21:16
Natürlich kannte ich Krüger. In meiner Eigenschaft als Personalchef kenne ich alle unsere Mitarbeiter. Kennen Sie den Lebenslauf von Krüger? Den habe ich Ihnen letzte Woche bereits durchgegeben. Außer den vier Jahren in Kanada lückenloser Beschäftigungsnachweis. Aber bitte, bitte nehmen Sie doch Platz. Dankeschön.
21:37
Wissen Sie, wo Krüger in diesen vier Jahren wirklich war?
21:42
Wenn Sie schon so fragen, vermute ich im Knast. Stimmt's?
21:46
Stimmt.
21:47
Und auch Kammermann war im Knast? Zur gleichen Zeit. Woher wissen Sie das? Die Übereinstimmung der Daten ist augenfällig. Bloß gab Kammermann Australien an und nicht Kanada.
21:58
Gleiche Zeit, gleiches Gefängnis. Und, was Sie wohl nicht wissen, gleiche Tat. Oder doch?
22:06
Nein, natürlich nicht. Ich habe bloß so etwas in der Art vermutet. Welche Tat war es denn? Bankeinbruch.
22:12
Die Beute, runde zwei Millionen, sind bis heute nicht zum Vorschein gekommen. Krüger war der Kopf des Unternehmens. Ein Computerfachmann, spezialisiert auf Lagerbewirtschaftungssysteme, wie Sie wissen. Natürlich. Kammermann, der Betriebsmechaniker, der Muskelmann, zuständig für die Schwerarbeit. Kammermann knackt die Mauern, Krüger die Codes. Ein perfektes Team.
22:37
Kammermann wurde heute verhaftet.
22:39
Ich denke, er wird vermisst?
22:41
Wir haben diese Vermisstmeldung simuliert, weil es unsere Fahndung erleichtert. Kammermann ist seit heute Morgen in Untersuchungshaft. Und weshalb? Für zwei völlig verschiedene Tatbestände. Mord und... Naja, sprechen wir zuerst einmal vom Mord. Wir haben Grund zur Annahme, dass Krüger irgendwo in den Gebäudigkeiten der Fastpick AG umgebracht wurde.
23:06
Hauptverdächtiger für diese Tat ist Kammermann.
23:09
Das heißt, Sie haben weitere Tatverdächtige?
23:12
Wissen Sie, als Polizeimann verdächtigt man grundsätzlich jeden. In diesem Fall gibt es neben dem Hauptverdächtigen noch einen weiteren potenziellen Täter. Nennen wir ihn vorläufig Mr. X.
23:25
Welches Motiv kann dieser Kammermann denn gehabt haben? Steht es in irgendeinem Zusammenhang zu dem Bankeinbruch?
23:31
Kammermann schweigt beharrlich. Was ist mit der Leiche?
23:35
Wir sind uns ziemlich sicher. Sie muss irgendwo im Hochregallager der Fastpick sein. Aber suchen Sie einmal 12.000 Lagerstellen ab. Schauen Sie, das ist einer der Gründe, weshalb ich zu so später Stunde hier bin. Ich verstehe nicht. Einmal angenommen, meine Hypothese stimmt. Kammermann tötet Krüger im Lagerhaus von Fastpick. Gelegenheiten gibt es genug. Diese Lager sind ja gespenstisch menschenleer bei den heutigen vollautomatischen Betriebsabläufen.
24:04
Und nehmen wir weiter an. Kammermann versteckt die Leiche in einer der 12.000 Lagerstellen. Ich sehe immer noch kein Motiv. Auf das Motiv komme ich später. Bleiben wir vorläufig bei dem Versteck für das Opfer. Ich habe mich letzte Woche in diesem Hochlager umgesehen. Ein gigantischer Bauklotz. 30 Meter lang.
24:27
20 Meter breit. Und wenn ich es richtig im Kopf habe, exakte 15 Meter hoch.
24:32
Ja, exakt.
24:33
Und wie gesagt, über 12.000 Lagerstellen. Da lässt sich wohl ein Platz für eine Leiche finden.
24:41
Graunhafte Vorstellung. Eine Leiche zwischen den Suppenwürfeln im Frischhaltebeutel.
24:45
Und der Geruch.
24:47
Ich habe mich erkundigt. Im Lager werden Fertigprodukte gestapelt, aber auch Rohstoffe, verderbliche Waren, die in großen Metallbehältern hermetisch abgeschlossen werden. Eine perfekte geruchlose Lagerung. Auch für eine Leiche.
25:04
Und da habe ich ein kleines Rätsel. Mögen Sie Zahlenspiele, Herr Heller?
25:09
Ja, aber ich wüsste nicht, wozu ein Ratespiel jetzt zu diesem Zeitpunkt...
25:13
Es ist die einfache Rechnung von Länge mal Breite mal Höhe. Sie können beliebige Zahlen einsetzen. Nie werden Sie bei der Multiplikation auf eine Primzahl kommen. Die Lagerbuchhaltung weist aber gemäß Computer die Lagerkapazität mit einer Primzahl aus. 12.479. Das verstehe ich nicht.
25:35
Ich habe auch im Lager selbst nachgezählt. Länge mal Breite mal Höhe ergeben die Zahl 12.480 und nicht 12.479. Eine Stelle fehlt im Computer. Die Frage ist nur, welche? Das verstehe ich auch nicht. Nehmen wir an, meine Hypothese stimmt. Nehmen wir an, der Mörder...
25:58
Kammermann oder mein Mr. X packt sein Opfer in einen hermetischen Behälter und schickt diesen per Lagerkran auf eine bestimmte Lagerstelle. Solange dieser Behälter nicht abgerufen wird, bleibt die Leiche unentdeckt.
26:14
Mord ohne Leiche, wie in einem billigen Krieg.
26:16
Und spätestens bei der Inventur kommt die Leiche zum Vorschein. Mit unserem Lagerbewirtschaftungssystem können wir täglich Inventur machen, dank Computer.
26:24
Ihre Überlegung ist richtig.
26:27
Es sei denn, die betreffende Lagerstelle wird im Betriebssystem des Computers abgeblockt. Dann wird diese Stelle auch von der Inventur nie erfasst.
26:35
Und die Leiche bleibt unentdeckt. Das ist zwar theoretisch möglich, aber trotzdem grotesk. Einmal angenommen, der Täter ist Kammermann. Ich kenne Kammermann nicht sehr gut, aber eines weiß ich. Er hat weder die Intelligenz noch das Know-how. Und vor allem, er hat den Zugang nicht, um das System so zu manipulieren. Der Systemmanager könnte das. Krüger war Systemmanager der Lagerbewirtschaftung. Er hätte das gekonnt, aber er ist tot, sagen Sie, Kommissar.
26:58
Ich habe bloß gesagt, dass wir dies annehmen müssen.
27:02
Ich gehe davon aus, dass tatsächlich Krüger diese Stelle im System blockiert hat und sich damit eine Art elektronisches Grab geschaufelt programmiert hat. Und genau das ist ja doch wohl grotesk. Wie käme er dazu? Ich gehe davon aus, dass diese Lagerstelle von Krüger blockiert wurde für die Beute aus dem Bankeinbruch. Mit dem Einverständnis von Kammermann. Ein perfektes Versteck für runde zwei Millionen, bis Gras über die Geschichte gewachsen ist. Es sind jetzt bald zehn Jahre her, dass die beiden unsere Firma...
27:31
Zeit zum Ernten in der Logik von Krüger und Kammermann.
27:34
Das klingt einleuchtend.
27:36
Und nun eine weitere Hypothese. Krüger, der schlaue Kopf, der die Stelle blockiert hat, also auch wusste, wo man abruft. Krüger wollte allein ernten und hat irgendwann einmal nach Feierabend die Palette mit dem hermetischen Behälter via Lagerkran herausgeholt. Wurde dabei von Kammermann überrascht. Kammermann, der Muskelmann des Teams, ist Choleriker.
28:01
Das weiß ich aus seinem Anstaltsbericht. Als er nun sieht, dass Krüger allein abkassieren will, ergreift ihn die große Wut. Er schlägt zu. Im Affekt wird man ihm wohl attestieren.
28:12
Er kassiert die Noten und schickt Krüger anstelle der zwei Millionen in die blockierte Lagerstelle zurück. Das kann er nicht. Er kennt das System nicht. Nicht genug jedenfalls. Oh, er macht das manuell. Er ist der Betriebsmechaniker im Lager. Er hat x Pannen behoben. Manuell.
28:31
Er wird auch dieses eine Mal den Lagerkran ohne Computer in Bewegung gesetzt haben. Fantastisch.
28:36
Damit wäre wohl auch meine Frage nach dem Motiv beantwortet.
28:39
Und was sagt Kammermann dazu? Kammermann bestreitet, hartnäckig Krüger getötet zu haben. Und deshalb bleibt uns nur eines. Wir müssen das Lager systematisch absuchen.
28:49
Herr Kommissar, wie kommen Sie eigentlich dazu anzunehmen, dass Ihr hypothetischer Totschlag im Lager geschah und dass Ihre hypothetische Leiche irgendwo in einem Lagergestell liegt?
29:01
Es gibt ein Hauptindiz. Im Lager der Fastpick AG gibt es ein modernes Arbeitszeiterfassungssystem. Krüger hat sich bei dieser elektronischen Stechuhr nie abgemeldet. Daran hat der Täter wohl nicht gedacht.
29:16
Und jetzt sollen Sie also das Lager absuchen. Über 12.000 Positionen. Ich wünsche Ihnen viel Glück. Tja.
29:22
Herr Heller, das ist ein Grund, weshalb ich Sie zu dieser nachtschlafenden Stunde, wie Sie sagen, aufsuche. Ja? Wir haben eine Einsatzequipe draußen im Hochregallager der Fastpick.
29:37
Die Leute werden nötigenfalls die ganze Nacht, den ganzen Sonntag und die Nacht auf Montag suchen. Den Durchsuchungsbefehl haben wir. Aber ich dachte mir, dass wir das einfacher haben könnten. Mit Ihrer Hilfe, Herr Heller. Wie stellen Sie sich das vor? Sie sind Personalchef und Computerspezialist. Bekannt auch für Ihre Computergrafik, hat man mir gesagt.
30:02
Ich wollte Sie ursprünglich bitten, mit mir ins Lager zu kommen und im Betriebssystem des Firmencomputers die fragliche Lagerstelle auszumachen.
30:10
Ursprünglich? Sie haben Ihre Absichten geändert?
30:12
Nun, ich vermute, Ihr PC ist mit dem Firmencomputer vernetzt. Sie können mir diesen Dienst also auch von hier aus erweisen.
30:23
Wie ich sehe, haben Sie ja die ganze Zeit schon die Personaldaten von Kammermann auf dem Schirm. Interessant. Wer hat das? Silvia!
30:31
Naja, ich habe vorhin ein wenig rumgespielt. Weibliche Neugier.
30:37
Und was, wenn ich mich weigere? Schließlich ist das Sache des Systemmanagers des Lagers.
30:41
Und der ist wahrscheinlich tot.
30:44
Hermetisch abgepackt und verlötet in der Lagerstelle XY der Firma Fastpick AG.
30:53
Na bitte, ich will nicht unfreundlich sein. Ich bin ein kooperativer Mensch. Weshalb sollten Ihre Leute da Tage und Nächte lang rumsuchen? Da wollen wir mal sehen. Das sollte eigentlich kein Problem sein. Meinen Sie? Ja, komm schon.
31:21
Ja, fantastisch. Hier. Lagerstelle 9457.
31:26
Können Sie die von hier aus abrufen und herausholen? Ja. Dann tun Sie das.
31:32
Ja.
31:38
Ihr Fechter. Hallo, Kunz. Ja, wir sind so weit. Moment.
31:47
Ich sag's Ihnen gleich. Was suchen Sie denn auf dem Schirm? Schon gefunden. Kunst, in der Lagerschlucht 3 wird der Kran jetzt eine Palette mit Blechbehälter ausfahren. Öffnen Sie den Behälter und geben Sie mir Bericht. Ende.
32:03
Also, wenn das stimmt.
32:07
Dann was, Frau Salz?
32:09
Dann staune ich. Staune ich über Ihre Kombinationsgabe. Noch ist Kammermann ja nicht geständig.
32:17
Ich frage mich die ganze Zeit schon, wie konnten Sie Kammermann verhaften aufgrund doch recht zweifelhafter Hypothesen?
32:24
Wir haben ihn vorläufig wenigstens nicht wegen Mordes festgenommen, sondern wegen Notenfälscherei.
32:32
Ach, was?
32:35
Kammermann hat letzte Woche eine Reise nach Australien gebucht und bar bezahlt. Mit falschen Noten.
32:41
Das ist ja unglaublich.
32:47
Vechter? Ja, Kunz. Fündig geworden? Sehr gut. Die Tatwaffe? Ausgezeichnet. Lassen Sie die Kollegen der Spurensicherung ans Werk.
33:03
Das Übliche. Und dann brechen Sie die Übung ab. Gute Nacht. Wir haben die Leiche. Wir haben das Motiv. Wir haben kein Geständnis von Kammermann. Und wir haben nach meiner Hypothese immer noch zwei mögliche Täter. Wie kommen Sie darauf? Kammermann wusste offensichtlich nicht, dass er falsche Noten hat. Wir haben in seiner Wohnung die ganze Beute gefunden. Runde zwei Millionen. Alles Falschgeld.
33:32
Alles fast perfekte Blüten, wie unsere Spezialisten sagen. Computerblüten.
33:37
Das ist ja ein Hammer.
33:39
Herr Heller, wie Sie sagen, war Kammermann nicht der Typ, ins Betriebssystem des Computers von Fastpick einzudringen. Naturell, Intelligenz, der ganze Lebenslauf, seine Psychostruktur sprechen dagegen. Und das gilt doch auch wohl für das Fälschen von Banknoten, oder? Nun, Kammermann ist nicht der Typ dazu. Da haben Sie wahrscheinlich recht. Also Krüger, der tote Krüger.
34:03
Möglich, aber kaum wahrscheinlich. Weshalb sollte er Noten fälschen, wenn er die echten hat? Es muss ein Dritter im Spiel sein und deshalb muss ich Sie noch mit einigen Fragen belästigen. Frau Salz.
34:16
Ich habe verstanden, Herr Kommissar. Ich wollte ohnehin schon lange nach Hause.
34:20
Ja, danke. Lassen Sie mir bitte Ihre Adresse da, falls wir noch Fragen haben.
34:25
Ja.
34:27
Hier, meine Karte.
34:29
Danke.
34:30
Ja, dann also, Henry, ich lass dir meine Keramiken hier.
34:34
Ja, ist schön.
34:34
Den Koffer aber brauche ich.
34:35
Ja, ich helfe dir gleich.
34:36
Warte. So, Vorsicht. Ja, sehr schön.
34:45
Das sind die blauen. Ja. Ja, dann.
34:53
Ach, Henry, ich muss noch mal für kleine Mädchen...
34:58
Die ganze Aufregung schlägt mir doch ziemlich auf den Magen. Aber ich sage jetzt schon Gute Nacht und störe dann nicht mehr. Also schlaf gut, Henry. Und ruf mich an.
35:07
Ja, tschüss.
35:09
Gute Nacht, Sylvia.
35:10
Gute Nacht, Herr Kommissar.
35:12
Gute Nacht, Frau Salz. Jetzt bin ich aber gespannt. Herr Heller, Sie waren vermutlich der Einzige im Betrieb, der über das Leben der beiden Bescheid wusste. Auch über Ihren Gefängnisaufenthalt.
35:25
Wussten Sie auch Bescheid über den Straftatbestand, den Bankeinbruch? Ist es ein Verhör? Nennen Sie es, wie Sie wollen. Ich stelle Ihnen einfach ein paar Fragen. Wir können dies natürlich auch auf dem Präsidium tun. Hier in Ihrer Wohnung wird nicht protokolliert, auf dem Präsidium schon.
35:43
Ich weiß nicht, was Sie von mir wollen. Sie haben vorhin von einem zweiten Mordverdächtig gesprochen. Wollen Sie etwa unterstellen, ich?
35:50
Das ist ja völlig absurd. Lassen wir den Mord vorläufig.
35:54
Ich halte Kammermann für den wahrscheinlichen Täter, vor allem seit wir auch die Tatwaffe haben. Sie lag neben dem Opfer im Blechbehälter, ein Schraubenschlüssel. Und das wäre nicht eben Ihr Stil, Herr Heller. Aber wie steht es mit den gefälschten Noten?
36:07
Lassen Sie mich bitte auch da aus dem Spiel. Das Ganze ist völlig absurd. Ich rufe jetzt meinen Anwalt an.
36:12
In diese Zeit...
36:14
Zudem, ich wiederhole, hier wird nicht protokolliert. Ich schlage vor, Sie beantworten jetzt meine Fragen oder ich lasse Ihre schöne Wohnung durchsuchen. Meine Leute sind jederzeit zur Stelle mit einem Durchsuchungsbefehl. Sie blöffen. Rechter? Ja, Korporal, danke.
36:39
Eine Frau in rotem Kleinen, schwarzem Hut. Ja, das geht in Ordnung. Kein Grund zum Eingreifen. Bleiben Sie einsatzbereit. Ich melde mich. Ende. Was sehen Sie? Was wollen Sie von mir? Herr Heller, ich entwickle einmal eine weitere Hypothese. Angenommen, Sie haben alles gewusst über Krüger und Kammermann. Und Sie haben auch gewusst, wo die zwei Millionen liegen.
37:05
Die Versuchung, die echten Millionen gegen falsche einzutauschen... Einmal angenommen, Ihre verrückte Geschichte stimmt.
37:11
Weshalb hätte ich mir die Mühe gemacht, echte Noten gegen falsche einzutauschen? Ich hätte mich doch einfach mit den Echten bedient und den Behälter leer gelassen wie ein ausgeraubtes Pharaonengrab. Wozu diese Umstände? Absurd. Das habe ich mir auch überlegt. Na also.
37:23
Aber Sie wussten sehr wohl, dass ein leerer Kasten Ihnen Probleme schafft. Bitte?
37:29
Krüger und Kammermann hätten zwar fürs Erste sich gegenseitig verdächtigt. Aber irgendwann wären sie darauf gekommen, dass da ein Dritter mitmischt. Und die beiden wussten, dass Sie, Herr Heller, Kenntnis hatten. Mindestens von Ihren Jahren im Gefängnis. Sie sehen, ein leerer Kasten hätte Sie kompromissiert. Sie sind ja verrückt. Mit der Kiste voller Noten. Falscher Noten zwar, sieht es anders aus.
37:52
Es gibt zwei Möglichkeiten. Die einfachste für Sie und die anderen beiden, die Fälschungen bleiben unentdeckt. Perfekte Blüten. Happy End für alle drei. Oder aber, die Fälschungen werden als solche erkannt. Krüger und Kammermann werden verhaftet, hier oder im Ausland, wohin Sie sich offensichtlich absetzen wollten. Auf Sie, Herr Heller, wäre niemand gekommen.
38:15
Polizei schon gar nicht. Und selbst wenn die beiden einen Verdacht gegen sie geäußert hätten, wer würde ihnen glauben bei den Vorstrafen? In diesem Fall also Happy End nur für Herrn Heller. Und dann kam das Unvorhergesehene, der Mord. Ich verweigere jede Aussage. Herr Heller, überlegen Sie doch.
38:37
Falls Sie schuldig sind, und ich nehme einmal an, nur für die Notenfälschungen, dann wird Ihr Anwalt Sie wahrscheinlich elegant aus der Sache ziehen.
38:47
Erstens, sie haben nichts mit dem Mord zu tun. Zweitens, sie haben zwar Falschgeld gedruckt, aber nicht in Umlauf gesetzt. Drittens, sie haben gestohlenes Geld in ihren Besitz gebracht, ohne es bis jetzt auszugeben, nehme ich an. Sie haben also sozusagen widerrechtlich erworbenes Geld in ihren Gewahrsam genommen. Ihre Chancen, ohne Verurteilung davonzukommen, stehen sehr gut. Sie sind wirklich verrückt. Ich werde jetzt meine Leute rufen und die werden die ganze Wohnung systematisch durchkämmen.
39:19
Das wird ungemütlich, glauben Sie mir. Es ist einfacher für alle, wenn Sie mir jetzt sagen, wo die zwei Millionen stecken. Wenn Sie hier sind, finden wir sie, so oder so. Wenn Sie sie anderswo aufheben, dann dauert es eben länger. Haben Sie einen Durchsuchungsbefehl? Ach, Herr Heller, das wissen Sie doch.
39:39
Sie haben gewonnen. Das Geld ist hier, im Sockel der Höhensonne, im Badezimmer.
39:47
Schön, dass Sie so vernünftig sind. Schauen wir nach.
39:58
Was? Was? Das gibt's doch nicht! Das ganze Geld ist weg!
40:10
Was tun Sie? Ich rufe Silvia an.
40:15
Keine Antwort.
40:17
Natürlich, natürlich. Mein Gott, mein Gott, was bin ich für ein Idiot. Dieses Luder. Diese verdammte Hexe. Herr Kommissar, Herr Kommissar, Sie können mir glauben oder nicht, das Geld war vor ein paar Minuten noch da, im Sockel der Höhensonne. Silvia, Frau Salz kennt das Verstecksegel. Sie hat mir vor ein paar Monaten einmal Wertsachen zur Verwahrung gegeben, als wir an einem Samstag verreisten und die Banken geschlossen hatten. Aber... Aber warum wusste sie, dass ich das... Weibliche Intuition.
40:50
Corporal Dachs. Vechter. Die Frau von vorhin. Rotes Kleid, schwarzer Hut. Genau. Haben Sie die Autonummer? Ja? Sehr gut.
41:00
Lösen Sie Großfahndung aus nach diesem Wagen. Lächerlich, Kommissar. Die Frau ist viel zu raffiniert. Die hat den Wagen doch längst irgendwo abgestellt. Jemand mit so viel Intuition. Verdammter Hexe.
41:12
Und mich können Sie jetzt mitnehmen. Korporal Dachs, leisen Sie die Fahndung ab. Ende.
41:20
Musik
41:41
Wolfram, bevor ich dich frage, was du im Sockel deiner Höhensonne versteckst, warum, super versteck, warum bläst denn der Polizist am Schluss die Fahndung nach ihr ab? Ist sie nur ein Lockvogel?
41:56
Ne, das ist eine Frage, die ich mir auch gestellt habe. Ich glaube einfach, weil er denkt, man erwischt die einfach nicht mehr.
42:03
Ich bin ja so ein einfaches Gewicht.
42:05
Ja, natürlich. Man hat gemerkt, okay, mit dem Kennzeichen schaffen wir es nicht mehr.
42:10
Und Henry sagt ja auch, die ist über alle Berge, nehmen Sie doch mich. Und da denkt sich der Kommissar, stimmt Feierabend, nimm den Spatz in der Hand.
42:17
Ja, ich wollte jetzt erinnern an das Wochenende. Schon lang genug und spät genug und umgearbeitet. Ich bin einfaches Gemüt.
42:24
Okay, du meinst, da steckt nicht mehr drin.
42:27
Ich würde jetzt nichts sagen. Was ist denn bei dir da?
42:29
Ich weiß es nicht. Deswegen, ich habe ein großes Fragezeichen am Ende des Stücks. Warum wird die Fahndung abgeblasen?
42:35
Ja, gut. Vielleicht ist es ja jetzt auch, ist ja egal, ist ja nicht so viel Geld. Und sie hat ja schöne, wahrscheinlich hat er einen Blick auf ihre Keramiken geworfen und gesehen, oh, da steckt viel mehr drin, als das, was sie jetzt mitgenommen hat.
42:47
Naja, ich meine, den eigentlichen Übeltäter hat er ja, nur die Beute fehlt.
42:54
Oh, du bist großzügig. Sehr gut, das stimmt.
42:58
Okay, ich mache heute keine gute Bewerbung für meine Zweitkarriere als Kriminalkommissar.
43:04
Aber dass sie den Koffer ausräumen muss, um das Geld einzupacken, das finde ich ganz schön.
43:08
Ja.
43:09
Sie hat wirklich schnell geschaltet. Ich mag ja eh das Zusammenspiel der beiden. Ich finde das schön, dass du so eine Perlikonstellation hast, aber die sich nicht nur in Allgemeinplätzen so ergibt, was den Tonfall vor allen Dingen angibt. Also ich fand das sehr organisch und glaubhaft, dass er sie auch so anschnauzen kann und wie sie sich so Geschichten ausspinnt und dann so halb singend vorträgt. Das hat mir alles gut gefallen.
43:35
Und es legt auch ganz hübsch falsche Fährten, weil er ja eher so aufgebaut wird, sie wisse gar nichts über ihn und kenne viel zu wenig, wo man dann eher denkt, stimmt ja noch, er hat was noch, irgendwie Dreck am Stecken und dunkle Machenschaften und am Schluss kommt es, finde ich schon noch überraschend, dass sie türmt, dem Geld.
43:55
Und was versteckst du im Sockel deiner Höhensonne?
43:57
Was ist eine Höhensonne? Was ist damit gemeint?
44:00
Jetzt muss ich mich outen, weil ich habe es tatsächlich jetzt nicht nochmal nachgeschaut. Ich meine, wir wurden als Kinder vor die Höhensonne gesetzt, um Krankheiten vorzubeugen, Viren zu töten. Das ist eine Rotlichtlampe. Ja, ich meine schon. Also da, wo man somit eine spezielle Brille bekommen hat.
44:15
Und dann haben die Eltern gesagt, jetzt bleibst du hier mal schön zwei Stunden sitzen, bewegst dich nicht und dann können die ganzen kleinen Tierchen aus dir rauskrabbeln. Es war sicher nicht so lang, aber so ein bisschen geparkt hat man sich schon gefühlt, aber es war auch was Besonderes. Das hast du uns rausgemacht. Nimm dir ab, Scotty. Hey, zieh mich sicher.
44:30
Okay, in den 90er Jahren wahrscheinlich. Das war dann eben nach dem Mauer, da konnte man genauso Sachen dann. Nee, ich glaube nicht, dass es in den 80ern konsummäßig DDR so gab. Das klingt für mich dann auch sehr nach 90er Jahren.
44:41
Und wenn man Sachen kaufen konnte, ob sinnvoll oder nicht. Ich war schon ein Kleinkind.
44:46
Aber das Gerät an sich kommt mir vor wie eine Satellitenschüssel oder wie so ein Standventilator, aber dass der einen großen Sockel hätte, wo man jetzt Beute, die vorher in Containern quasi untergebracht war, unterbringen könnte, fand ich als Bild immer so ein bisschen seltsam. Ja, da draußen die Höhensonne.
45:04
Das finde ich eh spannend an dem Hörspiel. Ist ja so sehr konkret bei Ihnen zu Hause, den Dialog, das kann man sich alles gut vorstellen. Ich finde auch, wie er seine Datenbank erklärt, das geht eigentlich gut. Aber eben dann verlangt schon viel Vorstellungsvermögen für dieses Logistikzentrum, oder?
45:19
Dieses, ach wieso, also gerade mit heutigem Wissen von so Lieferantenhallen, wo nur noch so Drohnen rein und ab und zu noch ein automatisierter Gabelstapler, aber ein bisschen Gänge ohne Ende. Wie bei Matrix, weißt du, diese Waffenregale. Ja. Wie heißt die Firma Fastpick?
45:38
Mhm.
45:40
ja schon nach einem Lieferdienst, ja. Das stimmt. Aber mir fiel es auch von der Abstraktion, also wie beschrieben wird, welcher Container wo und fehlt und sowieso, sobald Primzahl kommt, da lehne ich mich schon mal zurück und hoffe, es gibt noch irgendwo ein Wasserzeichen oder einen Zauberspruch, aber mitrechnen tue ich da nichts mehr. Fiel es mir auch an ein, zwei Stellen ein bisschen schwer, das ganz konkret vor meinem Auge zu erscheinen zu lassen.
46:09
Ich habe es beim Hören gedacht. Das Hörspiel sind ja gut 40 Minuten lang. Irgendwann hatte ich dann doch den Eindruck, ich meine es nicht, gar nicht negativ, ich hörte ein langes Schreck mit dem Veli.
46:21
Und das ging dir auch schon zwischendurch so und nicht erst am Ende mit der überraschenden Pointe?
46:26
Die überraschende Pointe macht was aus. Ist jetzt niemand gestorben, beim Schreckgewehr ist wahrscheinlich noch etwas makaber gewesen, ein bisschen blutiger.
46:32
Entschuldige, natürlich.
46:34
Aber nicht mal jemand Neues am Schluss, meine ich so, genau. Aber doch mit dieser überraschenden Wendung und jemand stellt jemanden eine Falle und dann fällt wieder der Nächste oder Mann selber rein. Vielleicht auch die Regie Isabel Scherer, unsere ehemalige Kollegin, hat ja...
46:48
Was meinst du, die Queen auf Schreckmempfeli?
47:06
Und man bringt, das haben wir bis heute ja bei den Schreckmimpeln, letztes oder vorletztes Jahr hatten wir auch mal ein schönes, wo wir ja sogar einen Preis gewonnen haben beim Grand Prix Nova, beim Hörspielfestival, wo es doch genau darum ging, dass eine Tochter so eine Art Spiel spielt wie die Sims, wo sie eine Familie kontrollieren kann und dann kontrolliert sie gerade ihre eigene Mutter damit. Also jemand quasi so neuere technologische Entwicklungen wie eben den Heimcomputer, in einem kriminal-lustigen Krimi-Comedian-Setting benutzt, aufgreift. Das hat für mich alles, was schrecklich willhaft ist.
47:39
Ja, also am Setting würde ich das jetzt nicht festmachen, weil da haben wir auch andere Hörspiele, auch ältere und wesentlich längere, die eigentlich auch mit so einer reduzierten Form, was Ort und Personage angeht, auskommen.
47:50
Also ein bisschen der lustige Dialogton, die flotten Sprüche so hin und her.
47:53
Genau, das ist es ein bisschen. Und dann so die reingeworfenen Assoziationen, da gibt es einen Toten eben, das bedeutet aber nicht wirklich was, da gibt es Falschgeld und so, das sind so Komponenten, die es vielleicht auf so ein bisschen unernste Ebene geben, ja. Mir ist es trotzdem ganz gut gefallen, ich habe mich nicht gelangweilt bei denen zu Hause. Das würde ich dich gerne noch fragen, der Computer. Ich habe halt darauf gewartet, dass mir Henry in seiner Bastelei jetzt was vorführt, was bei mir noch so ein bisschen einen kleinen Wow-Effekt hervorruft.
48:25
Weißt du also, entweder, dass sie wirklich in den 90ern schon was so konkret vorweggegriffen haben, dass ich denke, krass. konnten das damals noch nicht wissen, aber beschreibt voll und ganz unsere heutige Zeit. Das tut es ja irgendwie auch, aber es hat bei mir nicht diesen Effekt ausgelöst. Und auf der anderen Seite auch nicht so, oh Gott, wie abgedreht haben die sich das denn vorgestellt. Es ist ja ganz anders rausgekommen. Das hatte ich beides nicht. Das bleibt da so ein bisschen, also als Vergleich, ich habe ein Hörspiel gehört aus den 40ern, wo sie sich die Welt in 100 Jahren vorstellen, mit vier Tageswochen und wie wir mit der Atomkraft unser ganzes Leben umgestalten.
49:03
Das ist halt dann wirklich skurril und schräg zu hören. Und hier war das dann, ja, das ist halt irgendwie die 90er und sie hatten halt Computer und die konnten halt was.
49:14
Ja, also ja, es ist jetzt noch nicht die Wundermaschine.
49:17
Das Gerät selber.
49:18
Es ist aber so, wie es aufgebaut wird, diese Komponent, das Zusammenbringen des Menschlichen mit der Maschine. Gerade sie bedient das ja sehr stark. Du bist verrückt und das darfst du doch nicht.
49:25
Das stimmt. Aber ich finde da wiederum, sagst du doch schon viel aus über dieses, was ja tagtäglich mit 100.000 Cookies und so weiter geschieht. Also dieses unglaubliche Und Datensammelei und dass man von dir Profile anlegt und die Profile dann mit anderen Informationen verknüpft, jetzt eher um einem Sachen zu verkaufen und er kann dadurch eine Heirat vorhersagen oder merkt dann damit, okay, damit könnte ich einen guten Coup landen, einen Kriminellen, da finde ich wiederum...
49:54
Also finde ich das schon sich gut überlegt in den 90er Jahren. Was könnte man mit dieser Technologie anfangen? Also ich bin auch in so einem wahnsinnigen computeraffinen Haushalt aufgewachsen. Mein Vater war so ein totaler Tech-Nerd und der hat sich noch in der DDR, konnte man keinen fertigen Computer kaufen, hat sich so einen Bausatz gekauft und dann alles selber zusammengelötet. Also ich bin wirklich so quasi seit ich denken und sehen kann, stand immer so ein Ding bei uns rum.
50:19
Aber so ein Datensammeln war dann in den 90ern noch nicht so der Gedanke. Das ist mal was, um Leute, das kenne ich jetzt nicht so wirklich, zu überwachen und damit Profile zu erstellen. Das war eher noch Tool und Freiheit und Internetforen und man kann Leute kennenlernen und ganz viele Sachen austauschen, die davor nicht möglich waren. Das zeigt schon so eine negative Möglichkeit oder je nachdem, was dann damit anfängt.
50:45
In Bezug auf Computer gebe ich dir recht. Ich habe zum Beispiel aber gedacht, Nutzergruppen, die Einordnung oder die Messbarkeit von Empfängern oder Empfangsgeräten und sowas, das geht für mich alles in eine ähnliche Richtung. Und daraus Wahrscheinlichkeiten oder Verhaltensweisen ableiten, sowas gab es natürlich schon immer. Und wenn es die Frau war, die im Geschäft war, neben der Kasse saßen, einfach eine Strichliste geführt hat und gesagt hat, an dem Tag kommen mehr Frauen, an dem kommen mehr Männer und Montagvormittag ist beliebter als Freitagnachmittag. Das habe ich, glaube ich, dort so ein bisschen drin wiedergefunden und das stimmt natürlich, dass diese Form von...
51:23
selbstverständlicher Verknüpfung, nicht nur, dass du sagst, ich bin ja ein anonymer User und das kann mir ja eigentlich egal sein, ob die Gegenseite, wer auch immer weiß, wie oft ich das benutze und was ich benutze, aber gerade jetzt auch mit KI und sowas, wir geben ja auch so viel mehr Persönliches rein, nicht nur über Daten, die Zugangskontrollen und sowas machen, sondern jede Suchanfrage, die sagt, ich habe da einen Pickel hinterm Ohr, Das macht den Nutzer immer plastischer und persönlicher.
51:57
Dass mir das nur ein müdes Achselzucken entlockt, das sollte mir zu denken geben.
52:01
Ja, korrekt.
52:05
Nein, mir macht es dann schon mehr, weil es ja hier doch nicht versteckt ist hinter einer großen Firma aus Amerika. Es ist jetzt nicht Facebook, sondern einfach ein Typ, der ganz konkret das macht, sogar noch ohne Aufforderung. Aber doch, mir hilft es sogar, das einmal so zu vermenschlichen und eine Person zu geben.
52:25
Lustig, der Aspekt hat mir ganz gut gefallen, weil ich dann auch dachte, ja, der hat ja nur den Firmen oder sogar nur seinen Heimcomputer. Das heißt, das ist wie ein Mini-Netzwerk, das ist aber nicht verschlossen mit der ganzen Welt, sondern du hast dann quasi noch so eine klare Quelle und einen begrenzten Sandkasten, wo er da spielt und wo er vielleicht auch Daten hat, an die außerhalb seiner Haustür eh niemand rankommt, sondern die er wirklich noch sammeln muss in der Kantine. Gossip und sowas muss er dann abends da sitzen und sagen...
52:53
Heute gelernt über hat einen Hund. Das ist noch nicht diese allumfassende Maschinenwelt.
53:00
Das stimmt. Svanna, jetzt 90er Jahre.
53:05
Genau, lass uns das doch mal ganz kurz ein bisschen beleuchten.
53:08
Du hast ja nachgeschaut, oder, jetzt im Vorfeld, wie viel, das wäre jetzt mehr so gefühlt, dass wir immer so gesagt haben, wir haben kaum 90er Jahre Hörspiel im Krimi-Podcast. Das stimmt aber auch, oder gibt es Ausnahmen? Was hatten wir aus den 90ern?
53:20
Ja, ich glaube, das ganze Gespräch ist immer noch auf einer gefühlten Grundlage, weil ich habe das jetzt natürlich nicht alles durchrechnen lassen. Aber du, wir hatten wirklich, also aus den 90ern würde ich sagen, ist das Jahrzehnt, wo wir die wenigsten Hörspiele im Krimi-Podcast haben, die es seit 2019 gibt.
53:37
Und wenn ich dir jetzt ein paar Sachen sage, dann wirst du sagen, ah ja klar, das macht vielleicht Sinn. Also es gibt ein paar Glauser, die in den 90ern produziert wurden. Dürrenmatt, die große Reihe mit Versprechen. Genau, die zieht sich aber eigentlich einfach nur durch. Wir haben wirklich wenig Einzelstücke. Aber es gibt eine große Krimiserie. Ja.
53:57
Serie in Anführungszeichen. Reihe. Ja, die offensichtlich für die 90er sehr dominant war und alle Produktionsmittel gefressen hat.
54:08
Gibt es noch einen Tipp?
54:12
Büro an der Schipfe.
54:12
Ah, gut, Musil.
54:14
Ja, der fing einfach an in den 90ern.
54:17
Ach klar, Anfang 90er sogar.
54:18
Ja, und ich meine, da ist dann die Zeit von Paul Cox auch schon eine Weile vorbei. Und dass dazwischen so was Großes, Serielles wäre, oder? Gab es in dem Sinne nicht mehr. 70er, 80er?
54:32
Es war dann mehr so greienhaft, dass man eben von Alain Franck immer wieder was hatte oder von dem Wingfield, eben so die Leute, die kamen dann immer wieder, aber jetzt nicht so eine richtige Reihe mit dem einen Kommissar.
54:44
Ich konnte jetzt auch nicht feststellen, dass jetzt so 90er irgendwie dominiert wären von Mundart Hörspielen. Man hat sich irgendwie wieder mehr so ein bisschen auf Swissness konzentriert und den Blick mal weggenommen aus dem Ausland. Es kommt mir wirklich so vor, als wenn weniger Krimis produziert wurde. Warum das so ist, da können wir jetzt ein bisschen mutmaßen. Ich habe eine schöne Theorie. Willst du dir mal sagen? Ja, bitte. Ich lege mal vor. Weißt du, wann Philipp Meloni anfing?
55:09
Ja, ja, auch so. Also mit SF3 dann irgendwann Ende 80er, 90er, oder?
55:15
Ende 89. Und ich meine, da sind einfach so viele Folgen entstanden. Nicht, dass jetzt damit die Mittel gebunden wurden, aber ich glaube, es war schon ein großer Output. Und beliebt von Anfang an. Also vielleicht hast du da wirklich so ein schwarzes Loch gehabt. Das hat alle Krimi.
55:32
Naja, oder wo man dann gedacht hat, damals war ja, denke ich mal, dieses berühmte Silo-Denken ja schon noch größer. Es gab ja auch nicht, es gab ja glaube ich noch verschiedene Hörspiel-Redaktionen an den Standorten, dass man vielleicht auch gesagt hat, okay, Krimi ist jetzt bei DRS3 parkiert, das müssen wir nicht auch noch machen.
55:48
Gut, die haben halt ansonsten keine anderen Hörspiele gemacht.
55:52
Nein, ich meine aber, dass vielleicht dann die Leute für DHS 2 und DHS 1 gedacht haben, okay, Krimi ist jetzt schon beim 3. Dieses populäre Zeug, das müssen wir jetzt nicht auch noch machen.
56:01
Für den Kultursender, für DHS 2 würde ich das auch, glaube ich, ein bisschen vermuten. Dass man sich da wirklich in der Profilierung, das ist ja bestimmt auch ein Wort, dass eben, wir haben so Aufkommen von Privatfernsehen, alle mussten so ein bisschen schauen, wo ist denn unser Platz in der Medienlandschaft. Dass da auch der Kultursender vielleicht eine Form von Abgrenzung gefunden hat und dadurch weniger Krimis wie in Basel zum Beispiel produziert wurden und man sich da mehr aufs künstlerische Hörspiel geworfen hat. Aber SF1 als der massenbreiteste Sender und Krimi ist immer ein Zugpferd gewesen. Das ist eigentlich dann doch ein bisschen seltsam.
56:34
Spannend.
56:36
Ich habe ja gesagt, das ist noch nicht wirklich erforscht oder so. Wenn ich die Zeit finde, frage ich mal Zeitzeugen. Das ist gut. Ohrenzeugen.
56:47
Gut. Die Steppvisite an die 90er.
56:52
Ja, immer den kleinen Zeh eingetunkt.
56:54
Nur den kleinen Zeh eingetunkt. Dafür geht es nochmal richtig in die 50er Jahre zurück. Denn morgen ist Vollmond und das heißt gruselige Hörspiele bei uns im Krimi-Podcast. Bis zum nächsten Mod. Macht's gut.
57:20
Das war ein Podcast von SRF. Produziert im Auftrag der SRG.